Niklas Steenfatt diskutiert KI-Strategien

Pragmatischer Kurswechsel statt KI-Euphorie

In der aktuellen Hype-Welle rund um Künstliche Intelligenz beobachten wir bei WirStartenKI ein massives Problem: Unternehmen verlieren vor lauter Euphorie den operativen Fokus. Sie jagen generischen KI-Versprechen hinterher, anstatt konkrete, wertschöpfende Prozesse anzupacken. Als ich mich vor Kurzem mit Niklas Steenfatt (Ex-Cambridge, Ex-Facebook und Ex-VP bei Masterschool) in Kapstadt getroffen habe, wurde mir klar, wie universell dieses Problem ist – sowohl für internationale Scale-ups als auch für den deutschen Mittelstand. Niklas' Ansatz ist eine Philosophie, die wir zu 100 Prozent teilen: Mittelständler kaufen keine Technologie, sie kaufen fertige, verlässliche Ergebnisse. Wahre Energie und echter Fortschritt entstehen nicht durch das Bereitstellen eines offenen, unstrukturierten Chat-Einstiegs, der ohne klaren Prozess-Owner im Tagesgeschäft versandet. Sie entstehen dort, wo wir die typisch deutschen Hürdengedanken – von Bürokratie bis hin zu vermeintlichen Risiken – ausschalten und ins Machen kommen.

Pragmatischer Kurswechsel statt KI-Euphorie

Die Bedeutung von messbaren Ergebnissen

Ein zentraler Punkt, den Niklas in unserem Gespräch und seinen Inhalten betont, ist die absolute Messbarkeit von Ergebnissen. Viele Gründer und Manager tappen in die Falle, sich rein outputorientierte Ziele zu setzen – wie das Erreichen bestimmter Umsatzmarken oder die Akquise von exakt zehn Neukunden in drei Monaten. In Kapstadt haben wir dafür eine treffende Metapher genutzt: Du hast als Steuermann zwar das Ruder in der Hand, aber den Wind kontrollierst du nicht. Der Umsatz ist der Wind, doch die Segel, die du ausrichtest, sind deine investierte Zeit und deine operativen Prozesse. Wir haben erkannt, dass der erste KI-Use-Case in einem Unternehmen oft langweilig, dafür aber präzise messbar und nah am bestehenden Workflow sein muss. Wir definieren Ziele daher nach dem SMART-Framework und fokussieren uns auf das, was wir zu 100 Prozent kontrollieren können: den messbaren Input (z. B. 20 Stunden fokussierte Prozessoptimierung pro Woche). Ein Ansatz, den wir bewusst ablehnen, ist die Einführung von KI-Systemen ohne klare, kontrollierbare Erfolgskriterien.

Die Bedeutung von messbaren Ergebnissen

Operative Engpässe als Ausgangspunkt

Der häufigste Fehler bei der KI-Implementierung ist der überstürzte Start mit Tools statt mit strukturellen Entscheidungen. Unternehmen fragen sich, welches LLM sie nutzen sollten, bevor sie überhaupt ihren echten Engpass verstanden haben. Niklas hat mir beschrieben, wie unmöglich es für Teams ist, in derselben Woche strategische Richtungen zu hinterfragen und gleichzeitig Höchstleistungen in der Exekution zu bringen. Das ist ein operativer Prozessbruch. Bei WirStartenKI analysieren und priorisieren wir KI-Potenziale daher radikal nach Business-Impact und operativer Relevanz. Wir starten genau an der Kostenstelle oder dem Systembruch, der das Unternehmen aktuell am meisten bremst.

Operative Engpässe als Ausgangspunkt

Trade-offs bewusst eingehen

Ein nachhaltiger KI-Kurswechsel erfordert die Bereitschaft, harte Trade-offs einzugehen. Niklas nutzt für sich ein extrem erfolgreiches System: Er trennt Strategie und Exekution radikal in feste Rhythmen. Einmal im Jahr – idealerweise in der ruhigen Zeit zwischen den Jahren – und in komprimierten Drei-Monats-Zyklen wird das gesamte Geschäftsmodell hinterfragt. Steht der Kurs für die nächsten drei Monate, werden alle Zweifel beiseitegeschoben und der Plan wird kompromisslos eingeloggt. Genau diese Konsequenz brauchen Unternehmen auch bei der Tool-Auswahl. Nicht jede technische Innovation passt zu jedem Geschäftsmodell. Wir bei WirStartenKI empfehlen keine generischen Sprachmodelle ohne maßgeschneiderte Workflows, da Teams nutzbare, verlässliche Dokumente und Daten benötigen. Der bewusste Verzicht auf ein vermeintliches Trend-Tool ist oft die bessere Entscheidung, um Ressourcen zu schonen und den Fokus zu wahren.

Entscheidungsregel für den KI-Kurswechsel

Wenn mehrere Personen auf einem Boot oder in einem Unternehmen sitzen, wird die Koordination komplex. Niklas hat in seiner Führungsverantwortung gelernt, dass man in der strategischen Planungsphase die absolute Schwarmintelligenz nutzen muss. Hier muss jede Stimme – vom Praktikanten bis zum Executive – gehört werden, um die beste Social-Media-, Produkt- oder KI-Strategie zu entwickeln. Sobald das Schiff jedoch den Hafen verlässt, gilt eine unumstößliche Kultur: Disagree and Commit. Wer eine einmal getroffene Entscheidung auf offener See ständig hinterfragt, riskiert eine Self-Fulfilling Prophecy des Scheiterns, weil das Team nicht mehr mit vollem Herzen hinter dem Projekt steht. Ein erfolgreicher KI-Kurswechsel basiert auf einer evidenzbasierten Analyse im Hafen und absoluter, disziplinierter Exekution auf See. Wer agil auf Marktveränderungen reagieren will, muss erst intern für absolute Klarheit sorgen.